Anzugformen

Die feinsten Anzüge gibt es bekanntlich in der Londoner Savile Row – selbstredend maßgeschneidert. Wem der Weg zur Queen zu weit ist, der findet auch in Deutschland etwas Passendes anzuziehen. Aber worauf muss man achten und welche Anzugtypen kommen für die Hochzeit in Frage? PERFECT DAY durchstöberte die Kleiderkammer.

von Tilman Sanhüter

 
Der tollste Stoff ist vergebene Liebesmüh, wenn er nicht ordentlich sitzt. Besonders bei Outfits von der Stange empfiehlt es sich genau hin zu sehen. Und darauf müsst ihr achten:
  • Die Naht der Schulter schließt bündig mit dem Oberarm ab
  • Krawatte und Einstecktuch passen zueinander, sind aber nicht aus dem gleichen Stoff
  • Zu einem breiten Revers trägt man eine breite Krawatte, zu schmalem Revers eine entsprechend schmale
  • Einstecktücher aus Papier sind verboten
  • Auf Brusthöhe passen Zeige- und Mittelfinger zwischen den Körper und das geschlossene Sakko
  • Zweireiher trägt man auch bei hohen Temperaturen prinzipiell geschlossen
  • Der unterste Knopf des Sakkos bleibt offen
  • Der Saum sitzt bei locker hängenden Armen nicht tiefer als bis zur Mitte der Hände
  • Die Ärmelbündchen des Hemdes schauen mindestens einen und höchstens zwei Zentimeter unter dem Ärmel hervor
  • Das Sakko bedeckt den verlängerten Rücken
  • Zum Anzug trägt man niemals Sneakersocken
  • Die Hose liegt vorne auf dem Schuh auf und wirft eine leichte Falte
  • Die Hose schließt hinten bündig mit der Oberkante der Schuhsohle ab
  • Schuhe und Gürtel haben möglichst die gleiche Farbe

Cutaway

Der Cutaway entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus dem Gehrock. Mit der lang geschnittenen Jacke ist er der förmlichste unter den Tagesanzügen. Knielange Schöße, eine Weste und gestreifte Hosen sind traditionelle Bestandteile des Cuts. Beim Hemd bieten sich Kentkragen und Klappmanschetten an.
Die Farbkombination diktiert einzig der Geschmack, am weitesten verbreitet ist die
Mischung aus schwarzem Jackett und farbiger Weste. Ein Plastron geht aber auch. Wer es etwas dezenter mag, kann sogar alle drei Teile in der gleichen Farbe wählen. Mit hellen Hosen lassen Traditionalisten sich allerdings nach 18 Uhr nicht mehr sehen. Klassischerweise gehört zum Cutaway ein Zylinder. Erfahrungsgemäß sehen die meisten Hochzeitsgäste es dem Bräutigam aber nach, wenn er sich damit nicht anfreunden kann.

Frack

Der Frack ist der große Gesellschaftsanzug. Grundsätzlich ist er für Abendveranstaltungen gedacht. Davon ausgenommen sind allerdings Hochzeitsfeiern, die bereits am Mittag oder Nachmittag beginnen. Streng genommen heißt alleine die Jacke „Frack“, im Laufe der Zeit bürgerte der Begriff sich jedoch als Bezeichnung für den ganzen Anzug ein. Der Frack folgt strengen Regeln und lässt vergleichsweise wenig Raum für Individualität: Die Jacke ist schwarz, vorne taillenkurz und hinten mit knielangen Schwalbenschwänzen versehen. Die Knöpfe bleiben stets offen. Hemd mit Kläppchenkragen und Fliege sind weiß. Freiheit hat man nur bei der Weste: Sie darf ein- oder zweireihig geknöpft sein, allerdings in jedem Fall weiß. Ein Kummerbund statt Weste ist erlaubt, aber eher unüblich. Gut zu wissen: Zum Frack trägt man niemals eine Armbanduhr.

Smoking

Der Smoking stammt aus der britischen Mode. Bei Abendveranstaltungen tauschten die Herren nach dem offiziellen Teil den Frack gegen eine kürzere Jacke, wenn sie im Raucherzimmer entspannten. Unser heutiger Smoking ist allerdings weniger ein modifizierter Frack als eher ein Anzug mit ein paar Eigenheiten. Besonders auffällig ist dabei das Revers. Es geht absatzlos in den Kragen über und ist meist aus Satin oder Seide gearbeitet. Aus dem gleichen Stoff besteht ein seitlich an den Hosenbeinen aufgebrachter Streifen, der die Seitennaht abdeckt. Man nennt ihn Galon. Dafür verzichtet eine Smoking-Hose auf Gesäßtasche und Gürtelschlaufen. Wer sich für eine zweireihige Smokingjacke entscheidet, trägt sie stets geschlossen. Damit erübrigen sich Weste oder Kummerbund. Beim Einreiher ist eines der beiden Stücke Pflicht.

Hochzeitsanzug

Freiheit für Designer: Die Regeln des Hochzeitsanzuges sind erheblich lockerer als beim Cutaway oder Frack. Ob mit Krawatte oder Fliege, mit oder ohne Weste sowie die Anzahl der Knöpfe sind hier reine Fragen der Vorliebe. Auch bei den identitätsstiftenden Merkmalen eines Anzugs wie Revers, Stoff und Muster ist fast alles zulässig. Sogar Anleihen an Landhaus- und Trachtenmode sind salonfähig. Grundregeln des guten Geschmacks, wie etwa, dass man zu gemustertem Sakko keine gemusterte Weste trägt, bleiben natürlich erhalten. Wer auf Nachhaltigkeit im Kleiderschrank achtet oder sich möglichst kostengünstig ausstaffieren möchte, kann auch einen dunklen Businessanzug mit einer besonderen Weste sowie Plastron und einem Einstecktuch aufmöbeln. Unterm Strich gilt: Erlaubt ist, was gefällt.

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