Fliegende Blütenpracht

Der Brautstrauß schmückt die Braut. Sein Blüten-Flugmodus heizt die Party-Stimmung an. So kennen ihn die meisten. Was aber nur wenige wissen: Er kann auch hochemotional Danke sagen und als Erinnerungsstück überdauern.

Herkunft des Brautstraußes

Blumenschmuck für die Braut hat eine lange Tradition. Zunächst jedoch nicht als Strauß, sondern als Blumenkranz im Haar, wie er seit einigen Jahren Revival feiert. Die Blumen in der Brauthand kennen wir erst seit der Renaissance. Damals war er jedoch kein Schmuckstück. Er diente als Abwehr gegen üble Gerüche, die das Nicht-Waschen der mittelalterlichen Gesellschaft mit sich brachte. Als Blumen wählte man daher stark duftende. Erst im Laufe der Jahrhunderte kamen weitere Blüten hinzu.

 

Wer sucht den Brautstrauß aus?

Traditionell sucht der Bräutigam den Brautstrauß aus. Idealerweise nachdem die Braut ihr Traumkleid gefunden hat. So kann sie Tipps geben, was sie sich wünscht und was zu ihrem Outfit passt. Nicht nur die Bestellung, sondern auch die Abholung ist Aufgabe des Mannes. Sehen sich Braut und Bräutigam erst beim Standesamt oder an der Kirche, darf er ihn an den Brautvater zur Weitergabe überreichen.

 

Ein Wink des Schicksals

Die Tradition des Brautstraußwurfs stammt aus den USA. Diejenige, die den Strauß fängt, soll einen kurzen Blick aufs Schicksal erhaschen können. Die Botschaft lautet: Du schreitest als nächstes vor den Altar. Wer ihn fängt, darf ihn behalten.

 

Der richtige Zeitpunkt

Direkt nach dem Sektempfang oder auf der Tanzfläche um Mitternacht: Je nach Brauttyp und Hochzeitsart fliegen die Sträuße zu unterschiedlichen Zeiten. Traditionalisten warten bis zum Abend. Das hat den Vorteil, dass die Braut genug Zeit hat, ihr wichtigstes Accessoire zu genießen. Und auch auf den Hochzeitsfotos sollte er nicht fehlen. Besonders wenn sich nur wenige unverheiratete Frauen auf der Party befinden sollten, spielt der Zeitpunkt eine wichtige Rolle. Sie können umso selbstbewusster zum Fangen antreten, wenn die Stimmung bereits gehoben ist. Ein passender Party-Song heizt auch die Zuschauer an.

 

Ready for Takeoff

Es ist soweit, der Strauß soll fliegen: Alle unverheirateten Frauen versammeln sich in einer oder mehreren Reihen. Die Braut steht einige Meter entfernt und dreht den Junggesellinnen den Rücken zu. Auch wenn der Wurf ein besonderer Moment des Tages ist, sollte sie möglichst locker bleiben. Dann macht sie nicht nur auf den Erinnerungsfotos später eine gute Figur, sondern stellt auch sicher, dass das Flugobjekt nicht steil unter die Location-Decke donnert oder wie ein Stein vor der kichernden Frauentraube zu Boden plumpst. Der Strauß sollte die Schreibhand in einer flachen Bahn über die Schulter verlassen. Wer sich unsicher fühlt und nicht vor den Gästen mehrere Male ansetzen möchte, kann vorab unbeobachtet Zuhause mit einem Test-Flugkörper, wie etwa einem Kopfkissen, üben.

 

Ringelreihe

Weniger klassisch, dafür aber auch weniger vorhersehbar ist die Kreistanz-Variante. Dabei steht die Braut mit verbundenen Augen in der Mitte ihrer unverheirateten Freundinnen und Verwandten. Die potenziellen Bräute müssen um sie herum tanzen und wissen nicht, in welche Richtung die Blumen fliegen.

 

Vorsicht fliegende Junggesellinnen

Nicht nur in Romantik-Komödien, sondern auf so manch einer echten Hochzeit: Wer zu enthusiastisch in Richtung fliegender Strauß hechtet, sich aber nicht wieder abfangen kann, landet auf der Nase.

Der Brautstraußwurf ist ein in einzigartiger Moment.
Davon sollte es Fotos geben.
Besonders schöne Bilder entstehen,
wenn du locker bleibt statt dich in
„Wie fliegt der Strauß wohl“-Gedanken zu verkrampfen.

Für Braut und Fängerin:

Der Zweitstrauß
Gegen den Zwiespalt: Bräute, die sich nicht von ihrem Blumenschmuck trennen möchten, aber auch nicht auf die Tradition verzichten wollen, greifen zum Zweitstrauß. Dieser ähnelt dem Brautstrauß, besonders empfindliche Blumen wie Callas oder Lilien sollte man jedoch gegen robustere wie etwa Rosen tauschen. So sieht der Strauß auch nach dem Flugmanöver noch frisch aus. Weil der Wurfstrauß oft kleiner gehalten und kompakter gebunden ist, schafft er es auch bis in die hinteren Reihen und fällt nicht unbedingt der vordersten Frau in die Hände.

 

Für die Ewigkeit

Willst du den Blumenschmuck als Erinnerung behalten, stell ihn nach der Hochzeit nicht wieder ins Wasser. Lass ihn stattdessen an einem dunklen, kühlen Ort trocknen. Am besten hängst du ihn verkehrt herum etwa an der Kellerdecke auf, dann lassen die Blüten ihre Köpfe nicht hängen

 

Freude verschenken

Nicht jede Braut wirft ihren Strauß. Einige entscheiden sich auch bewusst dafür, einer ausgewählten Person eine Freude zu machen. Sie überreichen ihn bewusst ihrer Mutter, einer Schwester oder Freundin, etwa Dankeschön für die Hilfe bei der Organisation. Als Einbindung in die Feierlichkeiten reichen wenige Worte bis zu einer Rede. Wer sich nicht entscheiden kann, wem er eine Freude macht, kann sich beim Floristen auch einen mehrteiligen Strauß binden lassen. Tagsüber wirkt er wie ein Kunstwerk, abends lässt er sich als Überraschung in mehrere Teile aufteilen.

 

Tradition für Männer

Damit der Bräutigam nicht zu kurz kommt, gibt es inzwischen eine ähnliche Tradition für Männer. Statt Blumen wirft der Bräutigam das Strumpfband seiner Angetrauten. Dafür muss er sich jedoch erst das Band von ihr bekommen. Vor den Hochzeitsgästen hebt er dafür vorsichtig ihr Kleid an, zieht das Band von ihrem Bein und wirft es anschließend in die Junggesellen-Meute.

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